Maria

 

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Krankheit

 

 

Dominik kam am 10.12.1991 zur Welt und wir hatten beschlossen gleich nach der Geburt ein weiteres Kind zu bekommen. Nach zwei Fehlgeburten jeweils in den 6 Schwangerschaftswochen, wurde ich ein drittes Mal schwanger. Maria kam am 26.12.1993, einen Tag nach dem errechneten Geburtstermin auf die Welt. Die Freude war riesig, da wir uns ein Mädchen wünschten und auch bekamen.

Maria war ein Kind das jeder gern hatte, sie war fast immer gut gelaunt und wickelte jeden um den Finger.  Man konnte ihr einfach nie böse sein, egal was sie auch anstellte.

Wenn man mal schimpfen musste, dann kam sie schon wieder nach fünf Minuten als ob nichts gewesen wäre. Maria war eine richtige Schmusekatze und konnte vom Kuscheln und Schmusen nie genug bekommen.

Maria konnte zwar schon mit 10 Monaten gehen, aber im Waggerl zu sitzen war halt doch nicht so anstrengend, als alles zu Fuß zu gehen. Beim Fahrradfahren hatte sie anfangs auch keine Ausdauer, sie hat die Sportlichkeit eben von mir geerbt.

Da mein kleiner Bruder Simon mit 6 Monaten am Kindstod gestorben ist, hatte ich bei beiden Kindern ein Atemüberwachungsgerät, es beruhigte mich einfach den ganzen Tag das Piepsen zu hören. Manche Leute meinten ich quäle meine Kinder mit dem Gürtel um den Bauch, aber die Meinung von anderen, war mir in diesem Fall völlig egal.

Dominik ist mit 1 ½ Jahren ins Biotop gefallen, ich habe ihn am Bauch treibend gefunden und sofort herausgezogen, in diesem Moment dachte ich er seit tot, weil er so leblos und schwer war. Mein Vater machte Mund zu Mund Beatmung und Herzmassage, danach fuhren wir mit dem Notarzt ins Krankenhaus nach Mödling. Damals war ich im 5 Monat schwanger und trotz meiner Hysterie hat Maria dadurch keinen Schaden davongetragen.

Bei Dominik konnte ich mich auf meine Instinkte verlassen. Als er einmal vom Spielen nach Hause kam, hatte er einen blauen Fleck am Schienbein. Meine Kinder hatten öfters blaue Flecken, doch diesmal sah er für mich anders aus. Am nächsten Tag entdeckte ich an der Hand drei rote Punkte, sie sahen aus wie Insektenstiche. Daraufhin ging ich zum Hausarzt und bekam eine Überweisung für das Blutlabor. Der Hausarzt überwies Dominik mit dem Befund sofort ins Krankenhaus. Dominik hatte nur mehr 6.000 Thrombozyten, Normalwert war bei 150.000 bis 300.000, es war also höchste Eisenbahn.

Die zweite Ahnung die ich hatte bescherte uns auch zwei Wochen Krankenhausaufenthalt. Dominik hatte 39 Grad Fieber, ich empfand aber, dass die Hitze die er ausstrahlte anders war als normal. Ich wusste nicht was ich machen sollte, da ich nicht als hysterische Mutter hingestellt werden wollte. Dominik nahm mir sodann die Entscheidung ab, als er zusätzlich noch erbrach. Ich fuhr mit ihm ins Krankenhaus und es stellte sich heraus, dass er das Pfeiffer Drüsenfieber hatte. Er bekam am Tag darauf bis 41 Grad Fieber, hatte einen Schüttelfrost und redete wirres Zeug daher.

Bei Dominik hatte ich beide Male so ein Gefühl, dass es was Schlimmeres sein könnte, bei Maria hat mich dieses Gefühl verlassen und ich stelle mir immer noch die Frage WARUM!!!

Marias Lieblingsmotiv beim Zeichnen waren Herzerl, sie schrieb mir auch immer wieder kleine Liebesbriefe und versteckte sie in meiner Handtasche. Manchmal fand ich auch Süßigkeiten, die sie mir heimlich in die Handtasche steckte.

Bis zum Kindergarten war ihre Lieblingsfarbe Rosa und sie wollte immer nur Kleider mit Rüschchen anziehen, damit sie wie eine Prinzessin aussieht. Doch als sie in die Schule kam, wollte sie nur noch rote Hosen, rote T-Shirts, rote Schuhe und rote Vorhänge für ihr Zimmer.

Zu Weihnachten 2000 wünschte sie sich vom Christkind ein Herzerl so groß wie ein Haus. Maria hat ihren Wunsch jedem der sie gefragt hat, erzählt.

Meine Freundin kaufte ihr sodann als Weihnachtsgeschenk einen roten Herzerlpolster und diese Weihnachten wurden für Maria auch die schönsten Weihnachten.

Nachdem Maria diesen Herzerlpolster entdeckte, waren alle übrigen Geschenke nicht mehr interessant. Sie freute sich so sehr, dass sie zu weinen begann und sich mehrmals beim lieben Gott für dieses Geschenk bedankte.

Da sie ja der ganzen Familie erzählte was sie sich vom Christkind wünscht, bekam sie von ihrem Onkel auch einen Herzerpolster und es war für sie unfassbar, dass sie ihren Wunsch gleich zweimal erfüllt bekam.

In Marias Zimmer bestand alles in Herzform:. Herzerl-Lampe, Herzerl-Wecker, Stofftiere mit Herzen, Couch in Herzform, Bettenüberzüge mit Herzerl, Trinkglas und Trinkschale mit Herzen usw.

Dominik und Maria freuten sich immer auf unsere Geburtstage, auf Vatertag und Muttertag. Denn da kauften sie beim Bäcker alles ein, was uns schmeckte und richteten das Frühstück bzw. eine Nachmittagsjause her. Genau zu meinem Geburtstag musste Maria in den Spital, da wieder einmal ihr Blutbild nicht passte, sie tat mir wahnsinnig leid, da sie auf solche Tage besonders großen Wert legte. Zum Muttertag wurde ihr so übel und musste brechen, so dass ihr Bruder den Frühstückstisch allein herrichten musste. Maria kuschelte sich währenddessen zu mir ins Bett und weinte vor Enttäuschung. Die Kinder wollten mir beide Male eine Freude bereiten und genau an diesen beiden Tagen ging es Maria schlecht. Beim Osterhasen war es nichts anderes, sie schaffte es gerade noch alle Naschsachen zu finden, danach schlief sie den ganzen Nachmittag.

Maria bekam im Laufe ihrer Krankheit sehr viele Geschenke von der Familie, von Freunden und Klassenkollegen. Ihr wurde es jedoch immer unangenehmer, dass sie soviel bekam und ihr Bruder nichts, deshalb sagte sie auch schon zu ihrem Bruder „sieh mal was wir bekommen haben“. Als sie dann von einer Mitschülerin ein großes Stofftier bekam, fing sie zu weinen an und sagte mir, dass sie nicht will, dass alle so viel Geld für sie ausgeben.

Zu Beginn des Schuljahres wurde beschlossen, dass die Schüler der dritten Volksschulklasse eine Zeichenversteigerung im Mai veranstalten. Diese sollte für einen karitativen Zweck sein. Aus gegebenem Anlass wurde diese dann für die Kinder-Krebs-Hilfe gemacht. Bei dieser Veranstaltung wurde sehr viel Geld eingenommen. Nach Rücksprache mit dem Elternverein wurde beschlossen, dass sich Maria ein Geschenk wünschen darf.  Maria traute sich ihrer Lehrerin zuerst gar nicht den Wunsch zu sagen, da sie sich eine Play-Station wünschte und wusste, dass diese sehr teuer ist. Nach mehrmaligen Fragen sagte sie es ihr aber doch. Das Großartige daran ist, dass die Firma Sony die Play-Station dann gespendet hat und sodann der ganze Betrag der Kinder-Krebs-Hilfe übergeben werden konnte.

Maria war ein besonderes Kind, ich weiß, dass jedes Kind besonders ist, aber Maria ist mein Kind und deshalb ist sie für mich die Beste und ich bin furchtbar stolz auf sie.

Sie wollte es immer jeden recht machen, auch wenn sie selbst dabei zurückstecken musste. Sie bewies mehr Stärke und Charakter, als manch Erwachsener. Wenn sie sich zu ihrer Krankheit äußerte, dann nur wie arm alle anderen sind, wenn sie z.B. den Mundschutz tragen mussten.

 

Stand: 10.02.2009