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Wir saßen in dem Ärztezimmer auf der Intensivstation und versuchten zu verstehen, was uns der Arzt erklärte, aber ich verstand überhaupt nichts. Ich hörte nur wie er sagte, dass der Leichnam in die Gerichtsmedizin kommen wird. Ich bekam einen Zorn und dachte mir nur wie kann er Leichnam zu meiner Tochter sagen, sie hat einen Namen und sie ist kein Leichnam. Wir wollten alle raus aus diesem Krankenhaus, aber wir waren auf unseren Sitzen wie festgenagelt, bis uns meine Schwester bei der Hand nahm und wir einfach das Zimmer verließen ohne noch etwas zu sagen. Burkhart, der Freund meiner Schwester, holte uns dann von Wien ab und brachte uns nach Hause. Die Edith übernahm es dann, allen von unserer Familie Bescheid zu sagen, was passiert ist. Wir saßen nun bei uns im Garten und wussten nicht wie wir es Dominik erklären sollten. Wir sagten ihm am Telefon, dass er nach Hause kommen soll und Suni erklärte ihm dann was passiert ist. Dominik brauchte die nächsten drei Tage Tropfen, damit er schlafen konnte und mochte aus unserem Schlafzimmer gar nicht mehr raus. Nach ca. 1 Woche ging er dann wieder in die Schule. Dominik war in diesen 3 ½ Monaten während Marias Krankheit sehr viel alleine zu Hause, es kontrollierte niemand ob er seine Aufgaben machte, er machte seine Tests ohne, dass ihm irgendjemand sagte, dass er lernen müsse. Er ist in dieser Zeit in Mathe in die 1 LG aufgestiegen und ich finde das es eine tolle Leistung ist, wenn ein 11-jähriger alleine lernt und bis am Abend auf sich selbst angewiesen ist. Er hätte auch den ganzen Tag fortgehen können, es wäre sowieso keinem aufgefallen. Aber wir konnten uns voll und ganz auf ihn verlassen und ich bin super stolz auf ihn. Für ihn war es ja doppelt schwer, ich war die meiste Zeit mit Maria im Krankenhaus, Suni musste das Geld verdienen und Dominik war die meiste Zeit auf sich alleine gestellt. Ich möchte mich hier bei Dominiks Freunden bedanken, auf die er sich in dieser schweren Zeit immer verlassen konnte und immer noch kann. Er vermisst Maria jeden Tag auch wenn er nicht gern darüber redet. Bedanken möchte ich mich auch bei Marias Schulfreunden und ihren Lehrerinnen, die während der Erkrankung immer für uns da waren und auch heute noch sehr viel für Maria machen. Ich weiß, dass sie jeden Tag an Maria denken und das hilft uns schon sehr viel. Marias Lehrerin hat oft mit Maria telefoniert und mit ihr über alles Mögliche geplaudert, Maria hat sich immer sehr darüber gefreut, sie war ja etwas Besonderes wenn sie mit der Lehrerin eine private Plauderstunde hielt. Maria bekam auch viele Telefonanrufe von ihren Schulfreunden, über die sie sich auch sehr freute, doch konnte sie nicht immer abheben, da das telefonieren auch schon oft zu anstrengend für sie war. Über die Briefe und SMS hat sie sich immer besonders gefreut und sie halfen ihr am normalen Leben ein wenig teilzuhaben. Am 13.06. haben die 4 VS-Klassen und die Lehrerinnen für Maria eine Messe gestaltet, über die wir uns sehr gefreut haben, sie wurde auch vom Hr. Pfarrer sehr schön gesprochen. Maria war an diesem Tag sicher ganz stolz. Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich nicht von uns entfernt haben und uns immer noch zuhören wenn wir zum 1.000sten mal dasselbe erzählen und nicht Thema wechseln, weil ihnen unsere Geschichte schon zu langweilig wird. Ich kann mich und meine Gedanken oft selbst nicht verstehen und gerade in so einer Situation versteht man manche Aussagen falsch oder man legt jedes Wort auf die Waage, oft bin ich ungerecht und denke mir, dass mich sowieso keiner verstehen kann. Trotz allem waren aber immer alle für uns da und dafür möchte ich mich auch hier bedanken. Einige Enttäuschungen mussten aber auch wir in dieser Zeit hinnehmen, die Bezeichnung Freunde trifft auf manche Menschen eben nicht mehr zu. Unter Freunde verstehe ich für jemandem da zu sein, auch wenn die Situation fast nicht erträglich ist und so habe ich es auch immer gehandhabt, doch ich habe feststellen müssen, dass es nicht ein jeder so sieht und so musste ich eben auch einige Abstriche machen. Maria hat nie egoistisch gedacht und hat für andere auf manches verzichtet umso mehr schmerzt es mich, wenn ich sehe, dass für sie nicht einmal das kleinste Opfer gebracht werden kann. Für Nichtbetroffene ist jetzt vielleicht schon ein Jahr her, aber für uns ist es als sei Maria vor einigen Tagen gestorben und ich kann es noch immer nicht begreifen, dass ich nun schon über ein Jahr ohne sie gelebt habe, wo ich doch schon die eine Woche Urlaub die die Kinder jedes Jahr mit Oma und Opa machten, fast nicht aushalten konnte. Manchmal kann und will ich es immer noch nicht glauben, dass sie nie wieder nach Hause kommt. Ich habe mich in diesem Jahr viel mit Maria, mit ihrer Krankheit und dem Leben danach beschäftigt und ich glaube, dass ich dadurch einiges an Trauerarbeit geleistet habe, auch wenn ich oftmals wieder in ein tiefes Loch falle. Anfangs funktioniert man einfach und auch jetzt gibt es Tage wo ich nur funktioniere, es wird einfach nie wieder wie vorher sein. Maria wird immer der Mittelpunkt unseres Lebens sein, was mir bleibt ist die Hoffnung sie irgendwann wieder zu sehen. Meine Gedanken danach Man weiß es, aber trotzdem kann man es nicht glauben. Es ist so schwer zu verstehen, dass ein Mensch der immer da war plötzlich nicht mehr da sein soll. Es ist egal wie viele Kinder man hat, jedes ist einzigartig und hat seine eigene Persönlichkeit und kein anderes Kind kann einem über den Tod eines anderen Kindes hinwegtrösten. Ich habe zwei Kinder und eines davon ist tot. Ich versuchte für Dominik da zu sein wie auch vorher, aber es war sehr anstrengend, ich musste immer darüber nachdenken, was wäre gewesen wenn es ihn getroffen hätte. Hätte ich genauso reagiert? Ich bekam ein schlechtes Gewissen, wenn ich nur daran dachte ein anderes Kind zu drücken oder zu streicheln. Bei Dominik war es ähnlich, wie sollte ich mich ihm gegenüber verhalten? Man ist selbst schwer getroffen und ich wusste nicht wie ich meinem Sohn helfen soll. Ich lasse mir aber auch nicht von bestimmten Leuten, die keinen Einblick in meine Familie und das Geschehene haben und es auch gar nicht versucht haben einen Einblick zu bekommen oder wenigstens meinen Sohn einmal danach gefragt haben, wie es ihm geht, vorschreiben, wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe (habe ich nämlich auch erlebt). Ich hatte öfters (vor der Erkrankung meiner Tochter) einen Traum, ich bin mit den Kindern alleine daheim und das Haus brennt. Ich stehe vor den Kindern und muss mich für eines der beiden entscheiden, da ich sie nicht beide retten kann. Und ich stehe und schau die Kinder an und soll mich entscheiden, wer überleben soll, ich weis nicht was ich machen soll und dann bin ich jedes Mal munter geworden. Ob dieser Traum etwas deuten wollte? Anfangs bestand die Zeit nur aus Warten ob sich vielleicht etwas ergibt, etwas Neues, vielleicht kommt Maria ja doch wieder zurück, man lebt wie in Trance und bekommt vom Rest der Welt gar nichts mit. Mir war alles und jeder egal, ich wollte und will immer noch mein Kind zurück. Wenn ich mal lachte bekam ich Angst, jemand könnte glauben ich hätte Maria nicht gern gehabt und bin schon wieder darüber hinweg. Ich habe aber jede Sekunde an Maria gedacht und denke auch heute noch den ganzen Tag an sie. Ich tat zwar so als ob ich zuhören würde, war aber mit meinen Gedanken nur bei Maria. Hier ein paar Zeilen, die meine Schwester geschrieben hat, nachdem uns zugetragen wurde, dass wir schon feiern und grillen, obwohl Maria noch nicht einmal begraben ist: „Jene Menschen, welche über andere Leute urteilen oder Richtlinien aufstellen, wie es in der Gesellschaft üblich zu sein scheint, wie diese vom Schicksal geprüften Leute die schwere Zeit zu überstehen haben, können sich glücklich schätzen. Denn diese glücklichen Menschen können es nicht besser wissen, da ihnen Gott sei Dank ein solches Leid nicht widerfahren ist. Nur sollten sie bedenken, dass man andere Menschen mit diversen Aussagen sehr verletzen kann“. Mir wurde einmal gesagt „wenn ich mein Kind verlieren würde, das könnte ich nicht überleben“, wir haben eines verloren und wir leben auch noch, obwohl wir oftmals auch lieber tot gewesen wären. Wir versuchen unser Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, jeder auf seine eigene Art. Nur wir selbst wissen, wie wir wieder ins Leben zurückfinden und was Trauer für uns bedeutet. Wir müssen unsere Trauer nicht anderen recht machen, sondern nur uns selbst. Keiner weiß, was das jeden Tag für einen Kraftakt bedeutet, wieder am „normalen“ Leben teilzunehmen, zu sehen, dass sich die Welt eigentlich nicht verändert hat, nur deine eigene kleine Welt liegt in Trümmern. Die Trauer und der Schmerz sind für uns sehr groß und das was in uns vorgeht ist sogar für uns manchmal schwer zu verstehen. Es gibt Zeiten, da freu ich mich über einen neu beginnenden Tag, am Abend kommt dann aber die Ernüchterung und ich denke mir warum hat mir dieser Tag eigentlich so gut gefallen, wo ich ihn doch ohne meine Tochter verbringen musste und schlechtes Gewissen macht sich breit. Und dann gibt es wieder Tage wo ich am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben würde, man muss sich jeden Morgen neu motivieren, damit man den Tag irgendwie auf die Reihe bringt. Manchmal sitze ich im Auto und denke darüber nach welchen Baum ich nun nehmen soll um von dieser beschissenen Welt zu verschwinden. Doch es ist feige und unfair den anderen gegenüber, sich einfach so aus dem Leben zu schleichen. Die einzige Hoffnung die ich habe ist, dass ich Maria irgendwann wieder sehen werde und dass das was ich in den diversen Büchern gelesen habe auch stimmt. Über Gott habe ich so meine eigene Meinung, die ich hier aber nicht niederschreiben möchte, aber wenn es ihn wirklich gibt, freue ich mich schon ihm meine Meinung sagen zu können und er wird mir auch einige Fragen beantworten müssen, die ich mir trotz vielem Lesen und Hinterfragen nicht erklären kann. Wir haben viel Geld ausgegeben um über das Leben nach dem Tod etwas zu erfahren, doch wenn mir jemand sagt Maria geht es gut, ich muss sie loslassen und ich soll mich freuen, denn dort wo sie jetzt ist, geht es ihr besser als hier und es ist dort viel schöner als bei uns auf der Erde, so ist das zwar toll, aber bewiesen hat er mir mit seinen Worten nicht sehr viel. Für mich sind das nur leere Worte, die nur Nichtbetroffene von sich geben können, denn wenn ihr eigenes Kind sterben würde, würden sie bestimmt nicht mehr so reden. Ich war mit meiner Schwester bei einem Medium und die Frau hat uns Sachen erzählt, die sie nicht wissen konnte, das war für mich ein Beweis.
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Stand: 10.02.2009